Behandlung

Therapie

Während die Divertikulose ohne Beschwerden keiner Therapie bedarf, richtet sich die Therapie der Divertikelkrankheit nach den vom Patienten angegebenen Beschwerden und nach dem Ausmaß der Entzündung.

Behandlung der Beschwerden bei Divertikulose 

Bei Patienten mit einer Divertikulose und funktionellen Beschwerden (Bauchkrämpfen, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Völlegefühl etc.) ohne Hinweise auf eine Entzündung empfiehlt sich die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Diät. 

Ballaststoffe sind Substanzen, die Wasser binden und aufquellen und vom menschlichen Körper nicht verdaut werden. Zu den Ballaststoffen zählen Zellulose, Hemizellulosen, Pektine, Lignin, unverdauliche Polysaccharide und Alginate. Allen ist gemeinsam, dass das Stuhlvolumen erhöht, die Kontraktionen und damit der Druck auf die Darmwand gesenkt und die Stuhlpassagezeit im Darm verkürzt wird. Neben Vollkornprodukten sind Gemüse, Kartoffeln, Salate, Früchte und Getreide als ballaststoffreiche Kost zu empfehlen. Eine Übersicht zum Gehalt von Ballast- und Quellstoffen finden Sie hier.

Zusätzlich ist unter Umständen die Einnahme von Quellmitteln empfehlenswert. Der Vergleich von unterschiedlichen Ballast- und Quellstoffen hat ergeben, dass z.B. Weizenkleie oft starke Blähungen verursacht und nicht gut vertragen wird. Gut verträglich hingegen sind Quell- und Ballaststoffe wie indische Flohsamenschalen (Plantago ovata), wenn sie mit anfänglich geringer (5 g pro Tag) und dann über 4-5 Tage langsam gesteigerter Tagesdosis (bis zu 15 g pro Tag) eingenommen werden.

Behandlung der Beschwerden bei Divertikulose
  • Ballaststoffreiche Diät
  • Quellmittel wie z.B. Flohsamenschalen oder, falls gut vertragen, Weizenkleie
  • Reichlich Flüssigkeit
  • Feucht-warme Wickel
  • Krampflösende Medikamente

Sowohl ballaststoffreiche Kost als auch Quellmittel führen aber erst bei regelmäßiger Einnahme zu einer Besserung der Beschwerden.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, täglich 1,5 - 2,5 Liter, ist dabei besonders zu beachten. Die Tätigkeit des Dickdarms wird aber auch durch die Getränkeart beeinflusst.

Während Kaffee, Mineralwasser und Fruchtsäfte den Stuhlgang anregen, können schwarzer Tee, Kakao und Rotwein eine Verstopfung auslösen oder verstärken.

Bei krampfartigen Beschwerden bringt feuchte Wärme auf dem Bauch (Wärmflasche mit feuchtem Tuch) oft gute Linderung. Vorübergehend können vom Arzt auch krampflösende Medikamente verordnet werden. Schmerzmittel sollten nur kurzfristig und nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Behandlung der Divertikulitis


Die unkomplizierte akute Divertikulitis kann bei der überwiegenden Zahl der Patienten ohne eine Operation, behandelt werden. In allen Fällen bleibt zu entscheiden, ob die Behandlung ambulant durch den Hausarzt oder Facharzt erfolgen kann oder ob eine Klinikeinweisung notwendig ist. 

Bei leichten Verläufen sind eine leichte Kost, eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, Antibiotika-Therapie und bei Bedarf Schmerzmittel und/oder krampflösende Medikamente meist ausreichend. Bei Patienten ohne Risikoindikatoren für einen komplizierten Verlauf kann unter engmaschiger Kontrolle auf eine Antibiotika-Therapie verzichtet werden.

Bei moderaten oder schweren Verläufen der Divertikulitis sowie beim Auftreten von Komplikationen ist eine stationäre Aufnahme mit intravenöser antibiotischer Therapie über 7–10 Tage erforderlich. In der Anfangsphase besteht die Therapie zudem aus Bettruhe, absoluter Nahrungskarenz („Null-Diät“) sowie vollständiger Ernährung und Flüssigkeitsgabe über eine Infusion. Zusätzlich kann es erforderlich sein, krampflösende Medikamente oder Schmerzmittel einzunehmen. 

Behandlung der unkomplizierten akuten Divertikulitis bei schwerem Verlauf
  • Nahrungskarenz („Null-Diät“)
  • Ernährung durch Infusionen
  • Antibiotika
  • Schmerzmittel
  • Krampflösende Medikamente

Die meisten Patienten werden unter dieser Therapie innerhalb weniger Tage beschwerdefrei.

Durch regelmäßige Labor- und Ultraschallkontrollen und körperliche Untersuchungen werden Komplikationen (Blutungen, Abszessbildung, Darmdurchbruch, Fistelbildung etc.) rechtzeitig erkannt.

Bei unkompliziertem Verlauf kann der Nahrungsaufbau frühzeitig mit Tee und Zwieback oder einer im oberen Dünndarm vollständig aufgenommenen flüssigen Kost (sog. Astronautenkost) begonnen werden. 

Nach Abklingen der Entzündung sollte eine ballaststoffreiche Diät unter Zugabe von Quellmitteln eingehalten werden. Eine leichte Darmblutung im Rahmen der akuten Divertikulitis bedarf in der Regel keiner chirurgischen Therapie, da sie überwiegend von allein zum Stillstand kommt.

Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es im weiteren Verlauf zu erneuten Entzündungsereignissen, die bei einem Teil der Patienten eine Operation erforderlich machen. In der Regel wird man bei einem erneuten Schub einer Divertikulitis aber versuchen, den Patienten ohne Operation zu behandeln. Bei wiederholten divertikulitischen Beschwerden, insbesondere bei älteren Menschen oder Patienten mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen, ist es alternativ zur Operation möglich, eine regelmäßige, aber befristete Antibiotikatherapie durchzuführen. 

Chirurgische Behandlung

Bei Patienten mit einer Divertikulose ohne Beschwerden besteht lediglich bei der nicht beherrschbaren massiven Darmblutung infolge einer Divertikelblutung die Indikation zu einem chirurgischen Eingriff. Darmdurchbruch (Perforation), Abszessbildung (Eiterherd), Darmverschluss als Komplikationen einer Divertikulitis sowie Fisteln und ein nicht sicher auszuschließender Darmtumor stellen hingegen zwingende Gründe für ein operatives Vorgehen dar

Zwingende und mögliche Gründe für eine operative Behandlung der Divertikulitis

Zwingende Gründe für eine Operation Mögliche Gründe für eine Operation
Geplatztes Divertikel mit Bauchfellentzündung und/oder Abszess Anhaltende Beschwerden trotz Behandlung
Darmverschluss Wiederholte Entzündungen
Fisteln Wiederholte Blutungen
Verdacht auf Dickdarmkrebs Anhaltende Beschwerden beim Wasserlassen

Gelegentlich ist es im Rahmen einer Notfalloperation bei akuter Divertikulitis erforderlich, einen künstlichen Darmausgang anzulegen. Dieser kann dann fast immer in einem zweiten Eingriff wenige Wochen später wieder zurückverlegt werden.

Abszesse in der Bauchhöhle können heutzutage oft allein durch eine Ultraschall-gezielte Punktion oder durch eine Computertomografie-gesteuerte Punktion entlastet oder drainiert werden. Dadurch werden Operationen in der akuten Phase der Divertikulitis zunehmend vermieden. Größere Abszesse werden in der Regel aber weiterhin durch den Chirurgen behandelt.

Ein fehlendes Ansprechen der antibiotischen Therapie bei akuter Entzündung, wiederholte Divertikulitisereignisse und Blutungen sowie Beschwerden beim Wasserlassen können ebenfalls Anlass für einen chirurgischen Eingriff sein

Die Notwendigkeit einer Operation wird aufgrund von Faktoren wie das Alter des Patienten, schweren Begleiterkrankungen und Medikamenteneinnahme, aktuelle Beschwerden sowie strukturelle Veränderungen des Darms infolge der Entzündung (z.B. Entwicklung einer Stenose) individuell getroffen. In vielen chirurgischen Kliniken wird die Entfernung des divertikeltragenden Darmabschnitts heute per „Schlüsselloch-Chirurgie“ durchgeführt.

Der Erfolg einer Operation ist entscheidend vom optimalen Zeitpunkt abhängig. Dieser wird durch apparative und klinische Untersuchungen bestimmt werden, um das Risiko für den Patienten so gering wie möglich zu halten und dem Patienten m